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Radmonat entlang der Küste Portugals

Es geht rauf und runter, wieder rauf und runter und der Magen dreht sich zum hundertsiebenundsechzigsten Mal um. So verging unsere 44-stündige Fährenfahrt Anfang Mai von Gran Canaria nach Huelva (siehe hier meinen letzten Artikel über unsere Winterpause auf Gran Canaria). Zum Glück wurden weder Flo noch ich seekrank und konnten uns die Zeit somit mit “Game of Thrones”, Karten spielen, lesen und Hörbüchern vertreiben. Dann ging unsere Radreise durch Europa für einen Monat lang wieder weiter.

Begrüßt wurden wir in Spanien mit herrlichem Wetter, dem Duft der unzähligen Erdbeerplantagen, Blumenwiesen und Orangenbäumen. Unsere Radroute hat uns immer mehr oder weniger die Küste entlang von Huelva, rüber nach Portugal und dann bis in den hohen Norden des Landes geführt. Meist waren wir auf kleineren Straßen unterwegs, manchmal auf Rumpelwegen und mindestens einmal täglich mussten wir (naja, ehrlich gesagt eigentlich nur ich, weil Flo fast überall hinaufradelt) aufgrund der seeehr steilen Wege schieben. Im Süden von Portugal zieht sich die Algarve entlang. Ein wunderschönes Gebiet mit viel grüner Natur, hellen Sandstränden, einsamen Buchten und kleinen Dörfern mit weißen Häusern und blauen Fensterläden.

Am Strand kann man Flamingoschwärme beobachten und Möwen, die sich kopfüber ins kalte Meer stürzen, um Fische zu fangen. Uns hat vor allem überrascht, wie saftig und grün das Land zu sein scheint. Vielleicht liegt es aber auch an der Jahreszeit, da wir ja im Mai hier unterwegs waren. Außerdem haben wir die bunten und artenreichen Blumenwiesen bewundert, die es etwa in Österreich fast gar nicht mehr zu sehen gibt. Wild zelten war in keinem Land so einfach wie in Portugal. Offiziell ist es zwar nicht erlaubt, aber es gibt hier so viel Natur und unberührte Gebiete, dass es niemanden stört, wenn man das Zelt für eine Nacht aufschlägt. Wir hatten jede Nacht total schöne Plätze, ob im Wald, am Strand, auf Felsklippen oder im Feld.

In Portugal hatten wir viele nette und interessante Begegnungen. So haben wir zwei Tage mit einem Radler aus Bulgarien verbracht, der bereits die halbe Welt mit dem Rad bereist hat. Sein Tagesbudget liegt bei zehn Euro am Tag (Flüge miteinberechnet), wobei seine größten Ausgaben - laut eigener Aussage - für Bier und Zigaretten seien. Er hat uns eingetrichtert, dass Lidl mit Abstand der günstigste Supermarkt sei, egal in welchem Land. Alle paar Minuten hat er sein Handy gezückt, um zu überprüfen, ob er Bitcoin kaufen oder verkaufen solle. Er hatte unzählige Geschichten auf Lager. Zum Beispiel ist er mit dem Rad allein durch Afrika geradelt und mit einem selbst gebautem Hausboot den Amazonas entlang gefahren. Wir haben einiges von ihm erfahren - auch, dass der Garten eines verlassenes Hauses eine super Gelegenheit zum Wild zelten sein kann :-)

In Faro haben wir eine Engländerin mit zwei Hunden getroffen, die am Hauptplatz gebettelt hat. Wir sind ins Gespräch gekommen und haben herausgefunden, dass sie - so wie wir - vor kurzem auf Gran Canaria in Las Palmas gewohnt hat. Nur war sie nicht in einer Wohnung, sondern hat eine Höhle am Stadtrand bewohnt. Flo und ich haben uns in Las Palmas öfters gefragt, wer wohl diese Hippies sind, die in den Höhlen wohnen. Nun hatten wir eine davon kennengelernt. Sie hat erzählt, dass sie jetzt in Faro in einem leerstehenden Haus mit ihren Hunden wohnt. Auch sie meinte, dass Lidl der billigste Supermarkt sei und sie das Hundefutter stets dort kaufen würde.

 

Außerdem haben wir in Lissabon Anders und Sofia - ein radelndes Pärchen aus Schweden - wieder getroffen. Hier sind die Links zu ihren Facebook Seiten Longboardlady und Globecyclist. Die beiden haben auch bereits einige abenteuerliche Reisen hinter sich, zum Beispiel sind sie mit dem Longboard durch das australische Outback gefahren. Unten findet ihr das Video, welches ich sehr gelungen und faszinierend finde.

Wir hatten uns in Las Palmas kennengelernt, weil sie über warmshowers in unserer Wohnung übernachtet haben. Die beiden sind meine persönlichen Vorbilder, da sie mit Anfang vierzig bereits so viel angespart haben, dass sie quasi in Pension sind. Seit einem Jahr radeln sie durch Europa und sind jetzt auf dem Weg Richtung Osten, ohne Enddatum. Ich finde es immer wieder toll, wie unterschiedliche Leute man auf Reisen kennenlernen kann. Sie zeigen einem selber auf, welche Möglichkeiten es noch gibt.

Jedenfalls sind wir mit Sofia und Anders von Lissabon bis Porto zwei Wochen lang zusammen geradelt, was sehr gemütlich war. Die gemeinsame Zeit haben wir mit angenehmen Radtagen, vielen Kaffee/Bier/Vinho-Verde Pausen und unterhaltsamen Campingabenden in der Natur sehr genossen. Übrigens sind fast alle Fotos in diesem Blogbericht von den beiden. Sofia und Anders, falls ihr das (irgendwie mit Google Translate) lest - Tack!! Dankeschööön :-)

Lissabon und Porto

Und dann haben wir natürlich noch Freddy kennengelernt:

Er ist uns eines Abends zugelaufen, als wir auf der Suche nach einem Plätzchen zum Zelten waren. Falls ihr euch erinnern könnt - etwas ähnliches ist bereits in Litauen passiert, als wir “Wurschti, den Camping Hund” kennengelernt haben (siehe hier: "Bunte Häuser, viel Natur und nette Begegnungen: das Baltikum"). Jedenfalls hat Freddy entschieden, den Abend und die Nacht mit uns zu verbringen. Er war sehr süß, (fast) brav, hat in unserem Vorzelt geschlafen und Feinde eifrig vertrieben. Am nächsten Tag aber kam er uns beim Radfahren leider nicht mehr nach, weil seine kurzen Beinchen ihn nicht so schnell tragen konnten. Wir hoffen sehr, dass er eine Familie hat und nach einer abenteuerlichen Nacht wieder zu ihr nach Hause gelaufen ist. Er hat uns sogar ein Souvenir hinterlassen: Nach ein paar Tagen hatten wir juckende Punkte auf dem Körper und Anders hat auf Flöhe getippt. Ahhhhh!!!! Das bedeutete für uns, ALLE unsere Sachen zu waschen, einzufrieren undsoweiter. Gott sei Dank haben wir nicht viel und somit war das auch rasch wieder erledigt. Ich glaube, wir werden in Zukunft aber etwas zurückhaltender mit verwilderten Tieren sein :-)

Jedenfalls sind wir jetzt nach vier Wochen im Norden Portugals angekommen, wo Flo und ich die nächsten zwei Monate verbringen werden. Wir wohnen im derzeit leerstehenden Haus eines Freundes, mitten in der Natur, direkt am Fluss. Es ist sehr idyllisch und wir werden die Zeit nutzen, um zu entspannen, zu arbeiten und Wein zu trinken (wir befinden uns hier mitten in der Weinregion - yeah!). Danach führt uns unsere Reise wieder Richtung Heimat. Zumindest über den Sommer. Und dann… mal schauen :-)

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Kommentare: 5
  • #1

    Erika (Montag, 03 Juni 2019 18:54)

    Liebe Anna, es wird immer spannender und schöner Deine Berichte zu lesen. Wunderschöne Bilder die Lust auf Urlaub machen. Ich wünsche erholsame Tage in Eurem neuen Domizil. Ganz liebe Grüße!

  • #2

    Alex (Dienstag, 04 Juni 2019 01:16)

    I liked the longboarding part especially :) The bit about the free/wild spaces of Portugal was nice too!
    Take care over there :)

  • #3

    Radlerin (Dienstag, 04 Juni 2019 10:45)

    @Erika: Danke, es gefällt uns hier super gut und wir genießen ruhige Tage in der Natur :-) liebe Grüße zurück!

    @Alex: Yes i can imagine that you liked the Longboarding part :-))

  • #4

    Paul (Mittwoch, 05 Juni 2019)

    Hallo Ihr Beiden,
    hat mal wieder Spaß gemacht, den Blog zu lesen. Euch eine schöne Zeit in Portugal und eine ereignisreiche Weiterreise. Bei mir geht es am 11. los. VG Paul

  • #5

    Radlerin (Donnerstag, 06 Juni 2019 17:11)

    Danke Paul und viele Grüße nach Deutschland :-)